Der Autor der Homepage

 

 

 

 

 

Ich wurde 1938 in Oppeln / Oberschlesien geboren.

Über die Tschechoslowakei und die Lutherstadt Wittenberg gelang 1947 die Flucht nach Cuxhaven.

1950 zog ich nach Neustadt / Weinstrasse. Dort besuchte ich bis zur Quarta das Humanistische Gymnasium. Na ja, Latein und Französisch ging ja noch, aber Griechisch, ka - de - ve, kannste vergessen. Aus mir wurde doch etwas.

1953 begann ich eine Lehre als Former, die ich 1956 mit der Gesellenprüfung abschloss.

1957 trat ich als Freiwilliger bei einer Instandsetzungskompanie in Kassel in die Bundeswehr ein.

Während meiner Dienstzeit diente ich in Kassel, Koblenz, Hammelburg, Zweibrücken, Hermeskeil und zuletzt in Diez.

10 Jahre war ich Schirrmeister in der 4./ Transportbataillon 370, anschließend dort 14 Jahre „Spieß“.

1974 wurde ich und natürlich auch meine Familie, mit der Kompanie von Hermeskeil nach Diez verlegt.

Ab 1986 war ich als Oberstabsfeldwebel S 2 – Offizier beim Nachschubbataillon 310 in Diez.

Nach meiner Dienstzeit leistete ich mehrere Wehrübungen ab, unter anderem als Redakteur und „Reporter“ bei der Pressestelle der ehem.  5. Panzerdivision.

Für themenbezogene Arbeiten im „geistigen Wettbewerb von Soldaten“ wurde ich mehrfach durch den Generalinspekteur der Bundeswehr als Preisträger ausgezeichnet.

Auszeichnungen:

01. März 1982:      Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold

22. Februar 2000: Theodor -  Heuss - Medaille Volksbund Kriegsgräberfürsorge

Heute widme ich mich von Zeit zu Zeit der Ikonenmalerei und dem Reisen in Länder mit antiken Kulturen, vor allem aber mit Reisen innerhalb Deutschlands um unser wunderschönes Vaterland kennen zulernen und betätige mich ein wenig in der "Schreibenden Kunst" für die hiesige Presse.

Im März 2005 starb meine Frau Edith. Da der Mensch aber nicht dazu geschaffen ist immer allein zu sein sann ich auf Abhilfe.

Und ich hatte Glück. Mein neues Glück kommt auch aus Oppeln.

Ich habe zwei Söhne, zwei Enkel und eine Enkelin. Ich wünsche jedem so eine Familie, wie ich sie habe. Das ist keine lobhudelei.

Im März 2008 gab ich mein Amt als Vorsitzender der: Ehemaligen - Reservisten - Hinterbliebene im Deutschen Bundeswehrverband, Kameradschaft Diez / Limburg auf. Ich bin nur noch der Stellvertreter.

Meine neue Anschrift seit 16. Mai 2008: 65549 Limburg; Beethovenstr. 10 

Mail: franz_prox@t-online.de

 

Ein Bild aus "alten" Tagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Woher kommen die Proxens.

 

 

 

 

 

 

Meine Nachforschungen und weitere Recherchen von Herr Hans Prox aus 8671 Schönwald / Oberfranken ( mit mir nicht verwandt und nicht verschwägert ), der sich seit Jahren in Gesprächen mit Ortskundigen und durch Literaturstudium mit der Erforschung und Deutung des Namens Prox befasst, ergaben folgende Tatsachen:

 Der Name PROX hat bestimmt nichts zu tun- mit PROXIMUS aus dem Lateinischen / Französischen: "der Nächste".

Insgesamt gibt es weltweit etwa 350 Haushalte die den Namen PROX tragen außer in der Bundesrepublik z. B. in den USA, Australien, Großbritannien.

Auch kann man sagen, dass die Proxens der verschiedenen Richtungen im allgemeinen nicht mit- und untereinander verwandt sind.

Es gibt etliche Deutungen woher der Name PROX stammen könnte.

 

Was weiß man.

 

- Orte, in denen dieser Name vorkommt, liegen in der Regel an alten Straßen, die von Böhmen über das Riesengebirge nach Schlesien führen.

- Auch niederländisch-flämische Siedler und aus Böhmen kommende, missionierende und marodierende Hussiten haben diese Strassen benutzt.

 

1.               

Der NDer Name PROX erscheint im Schlesischen Namensbuch, Ausgabe 1980.

ProksProksch, Prox, Prokisch, Prokl gab es und gibt es auch in Wien und anderen Teilen

ÖsterÖsterreichs.

 

Prokop, ein Heiliger der katholischen Kirche, wurde/wird als der Schutzheilige Böhmens angesehen und verehrt.

Ihm zu Ehren könnten böhmische Siedler seinen Namen "angenommen" haben.

Im Laufe der Zeit kamen diese Siedler auch nach Schlesien und wurden dort sesshaft.

Durch Abschleifen von Buchstaben und Silben, oder auch durch Irrtümern beim Hören in Folge der landsmannschaftlichen sprachlichen Unterschiede wurde dann die Schreibweise PROX.

 

2.    

 SchoSchon  vor 1400 lässt sich in Schlesien der Name "PROX" in den unterschiedlichsten Schreibweisen nachweisen.

         Hier einige Beispiele:

         Prokusch, Progkisch, Prokisch, Proksch, Broksch, Procop, Prokop, Proks, Prokl.

Dieser Teil bisher deckt sich mit der Ziffer 1.

Von 1380 - 1434 n. Chr. lebte in Böhmen „Prokop der Große“, Feldherr der radikalen Taboriten, ein Hussitenstamm.

Er führte viele Religionsfeldzüge, die ihn und seine Soldaten/Glaubenskämpfer auch nach Schlesien brachten.

Es gab zwei deutliche Stoßrichtungen.

Die erste führte über die Oberlausitzer Berge in die Lausitzer - Neiße Ebene.

 

Die zweite Stoßrichtung führte über die alte Heerstraße aus Böhmen kommend über den Pass zwischen Iser- und Riesengebirge.

Sie führte in das Hirschberger Tal und näherte sich dort der schlesischen Ebene.

Erstaunlich ist, dass gerade hier, also auf / an dem Weg über das Gebirge, der Name PROX (Proksch) punktuell sehr häufig vorkommt.

 

Einige Beispiele.

 

- Im südlichen Sudetenraum (Strecke: Prag - Jungbunzlau - Hirschberg) zwischen Reichenbad - Jiczin liegt der Berg Tabor, einst ein Sammelplatz der Hussiten.

In diesem Raum gab es seit jeher den Namen Prox (bzw. seine Abwandlungen).

- Auf dem Grenzübergangspass Harrachsdorf - Oberschreiberhau, Tschechien - Deutschland) gibt es die Proxenbaude.

- In Hartenberg den Sägemüller Prox, in Kiesewald den Kunstmaler Prox, in Hernsdorf den Glasschleifer Prox.

- Und heute gibt es im Räume rund um Görlitz, Freiberg, Kotmannsdorf, Quermbach jede Menge Leute mit dem Namen PROX.

 

- Sie sind im allgemeinen nicht miteinander verwandt.

 

Wie kommen diese "Leute" dorthin ?

 

Es ist stark anzunehmen, dass im Laufe der hussitischen ( Prokopschen ) Feldzüge Verwundete, Marschkranke, Kriegsunwillige, bei der dort ansässigen Bevölkerung Unterschlupf fanden.

 

Da ihre ursprünglichen ( böhmisch - tschechischen ) Namen für die einheimische Bevölkerung  schwer auszusprechen waren, wurden diese "Hussiten" bei den Einheimischen zu den "Prokopschen ( die Leute vom / des Prokop ).

Wenn man zur Vereinfachung des Namens das "-schen" weglässt hat man schon den Namen Prox.

Die sehr große Verbreitung des Namens im Räume Niederschiesien beruht wahrscheinlich auch darauf, dass die Hussiten, nachdem sie mehrfach in den Raum mit Feuer und Schwert zur Verbreitung ihres Glaubens "eingefallen" waren, die "Urbewohner" dieses Raumes missionierten und Gemeinden gründeten.

( Ihre Fahne: Roter Kelch auf weißem Grund )

In wieweit die (hussitischen) „Kelchbrüder“ dann später zum evangelischen oder katholischen Glauben konvertierten ist nicht genau bekannt.

(siehe weiter unten)

Auf jeden Fall ist anzunehmen, dass auch diese Neu-/ Andersgläubigen bei den Einheimischen zu den "Prokopschen" wurden und diese Vorgänge im Laufe der Zeit zu einer Vermischung deutschsprachiger, schlesischer Bevölkerungsteile mit böhmisch - tschechischen Zuwanderern geführt haben.

 

 3.    

 WohWoher kommen die Proxens aus/in dem Raum Hannover, Hildesheim, Papenburg, Holzminden, Wolfenbüttel, Braunschweig ?

Hier ist anzunehmen, dass im "Schleppwasser" von niederländisch - flämische Händlern, die in und mit Böhmen Handel trieben, Prokopsche aus dem Raum Riesengebirge mitzogen und dort "hängen" blieben.

 

Trotz vieler Versuche ist es mir nicht gelungen zwischen den Ziffern 2 und 3 verwandtschaftliche Beziehungen zu finden.

 

Das einzige was ich herausfinden konnte: nach den USA ausgewanderte Proxens stammen (grundsätzlich) aus dem Raume Papenburg.

(Die Proxischen Adressen in den USA liegen mir vor)

Auch konnte ich keinerlei Verbindungen zu den oberschlesischen ( katholischen ) Proxens herstellen die im Raume Krascheow ( Schöhorst ), Grodzisko ( Burghof ) Oppeln beheimatet sind/waren.

 

Zu einer weiteren Erforschung der Vorgänge um den Namen Prox.

 

Durch Zufall habe ich; im September 1999 in einer Fernsehsendung und als Folge in einem Buch das von Oppeln und Oberschlesien handelt, etwas gefunden, was die Glaubensrichtung, katholisch/evangelisch- der Proxens beeinflusst haben kann, wahrscheinlich sogar hat.

Auch könnte dieser Vorgang/Zustand der Grund dafür sein, dass sich verschiedene Zweige gebildet haben.

So z. B. im Raume Oppeln Oberschlesien die katholische Linie und im Raum um Reichenberg, Zittau, Löbau und im. Raume Chemnitz, Leipzig, die evangelische Linie.

 

Schlesien/Oberschlesien gehörte von 1526 - 1740 zum österreichischen Hause Habsburg.

Ab etwa 1517 beginnt durch die Lehre Martin Luthers (1483 - 1546) die Reformation.

Sie findet ohne gegenseitige Gewaltanwendung rasch Einzug in vielen Teilen Schlesiens und Oberschlesiens.

Ein Teil der Bevölkerung, des Klerus und der Klöster wird protestantisch, bekennt sich also zur Lehre Luthers.

 

1523 - 1546 wirkt in Oberschlesien Markgraf Georg der Fromme von Jägersdorf aus der Linie Hohenzollern - Ansbach.

Er fördert die Reformation besonders und siedelt lutherische Kolonisten aus dem Raum Ansbach und Bayreuth in seinem Einzugsbereich in Oberschlesien an.

Die Bevölkerung allgemein blieb jedoch in der Masse katholisch (außer dem Kreise Kreuzburg, nördlich von Oppeln).

1618 - 1648 ist Schlesien/Oberschlesien im 30 - jährigen Krieg ein großer Kriegsschauplatz.

Mansfeld, Wallenstein und die Schweden hausen im Land, die Pest wütet.

 

Ab etwa 1648 führt das katholische Haus Habsburg eine Gegenreformation durch. Die Protestanten werden zum Glaubenswechsel gezwungen.

Um den lutherisch - protestantischen Glauben bewahren zu können, verlassen Tausende die Heimat.

Sie ziehen vor allem in das Riesengebirge, in den Raum Görlitz, Raum Dresden, Raum Chemnitz und Leipzig, wo sie heute noch sind.

Dort treffen sie auf ihre Namensvettern, die "hussitischen Prokopschen".

Oberschlesien wird nach ihrer Flucht "Protestantenfrei".

 

Die "ausgewanderten" Lutheraner bauten sich u. a. sechs so genannte "Gnadenkirchen". Die westlichste stand einmal in Hirschberg.

 

Mehr ließ sich bisher nicht herausfinden.


Einiges über den Namen Scheitza ( Mutterseite ).

 

Im 17. und im Anfang des 18. Jahrhunderts kommt in den Kirchbüchern statt Sieyca auch einige Male die Schreibweise Sieyka vor.

Es wird sich aber nicht mehr feststellen lassen, ob es sich hier um eine Wandlung des „k“ in „e“ oder um einen Schreibfehler in den Kirchbüchern handelt.

Die Prämonstratenser von Czarnowanz die viele Jahrhunderte hindurch die Seelsorge in Groß Döbern ausübten, lasen nach dem Lateinischen vor harten Vokalen das slavische „e“ wie „k“ und schrieben auch dementsprechend oft statt „c“ ein „k“ oder umgekehrt statt „k“ ein „c“ (z. B. Grobek und Grobec, Bartek und Bartec, Janek und Janec, Christek und Christec, Patrzek und Patrzec ).

Dass letzte Mal fand ich unseren Namen mit „k“ geschrieben im Jahre 1723.

In den Jahren vorher,  also von 1600-1723, nur einige Male mit „k“, meist mit „c“ geschrieben.

Das „y“ in dem Namen Sieyca entspricht der allen polnischcn Orthographie, z. B.  Wuyek, Skarga .

Die Kirchbücher haben für unseren Namen auch eine Femininform so,  Sieycin, Sieyczyna oder Sieycowa ( diese letztere Form ist auch noch heute im Gebrauch ).

Gegen Ende des 18, Jahrhunderts wandelt sich der Name allmählich weiter (vielleicht infolge äußerer Beeinflussung in Schulen oder Behörden ).

Wir finden da:  Scheetza, Scheytza und Scheitza (1771 Sieyca, 1776 Scheitza, 1779 Sieyca, 1787 Scheytza, 1790 wieder Sieyca, 1790 Scheitza, 1797 zum letzten Mal Sieyca, 1811 Scheyca, seitdem nur noch Scheitza oder Schaitza ).

Über die eigentliche Bedeutung unseres Namens wissen wir nichts Sicheres. 

 

Woher kommen die Scheitzas ??

 

Woher die Scheitzas nach Groß Döbern gekommen sind, ist leider nicht mehr zu ermitteln. In keiner alten Urkunde findet sich etwas.

Manche glauben, dass die Familie ursprünglich dem Adel (deutschen oder polnischer Landadel) angehört oder sich wenigstens durch besonderen  Ruhm ihrer Taten ausgezeichnet hat.

Im "alten  Henel", Silisia Togata (schlesische Adelsgeschichte)  ( Nicolaus Henel, ab 1642 Nicolaus Henel von Hennenfeld (* 11. Januar 1582 in Neustadt, Oberschlesien; † 23. Juli 1656 in Breslau, Niederschlesien ) war ein deutscher Ober-Syndikus, Biograf, Chronist und Historiker. finden wir eine alphabetische Zusammenstellung früherer deutscher , schlesischer und polnischer adliger oder berühmter Familien, unter ihnen auch den Namen Scheetza.

Dort heißt es:

„Statt eines eines Schlussstrichs wollen wir hier eine Anzahl bevorzugter Familien anführen, die entweder durch alten Adel oder durch den Ruhm ihrer Taten in Schlesien glänzten oder auch jetzt noch stehen“.

( Adlige Familien müssen nicht unbedingt das „von“ im Namen führen.)

In alphabetischer Reihenfolge sind im „alten Henel“ nun diese Familien aufgezählt.

Hier einige Beispiele von Namen, die mit „S“ beginnen:

Saurma

Schaffgotsch

Schemonsky

Schellenhoff

Scheetza

Schick

Schweinichen

 

 ( Familien – Chronik der Familie Scheitza, bearbeitet von:

Pater Rochus Scheitza SVD, Oberschlesische Gesellschaftsdruckerei 1941 )

 


Vae Victis – Wehe den Besiegten.

Wie ein 7 jähriger die Flucht und die Jahre danach erlebte.

 Man kann sich unschwer vorstellen, dass die Erinnerungen an „Flucht und Vertreibung“ vor über 60 Jahren nur relativ lückenlos sein können.

Nur elementare Geschehnisse haben eine Chance im Gedächtnis geblieben zu sein.

Weihnachten 1944. Der „Endsieg steht vor der Tür“, lautete die Propaganda.

Aber vereinzelte Bomben auf Oppeln ließen, auch mich Kind schon, die Wirklichkeit des Lebens erahnen, wenn ich auch das wahre Ausmaß nicht verstand. Noch nicht.

So schlugen Splitter während eines plötzlichen Luftangriffs neben mir, der ich gerade neugierig zur Beobachtung des Vorganges am Eingang zu Vaters Geschäft stand, in die Wand ein.

Vater und Mutter erklärten mir, das sowjetische Truppen durch die deutschen Linien durchgebrochen und auf dem Vormarsch zu uns sind.

Eines Tages, irgendwann Anfang Januar 1945 sagte mein Vater, dass wahrscheinlich bald alle Einwohner, also auch wir, Oppeln verlassen müssen.

Und dann war die „Stunde 0“ auf einmal da.

Es war der 19. Januar 1945, der unser, doch eigentlich sorgloses Leben, auf den Kopf stellte und der Tag, der sich bis heute in meinem Kopf „eingenistet“ hat.

Die Familie Prox verließ ihr Haus bei kaltem, regnerischem Wetter; es sollte bald noch kälter werden.

Wir fuhren nach Döbern zu meinen Großeltern. Dort hatte Vater einen Pferdewagen organisiert, Lisa hieß das Pferd. Meine Großeltern blieben zurück, sie wollten ihre Heimat nicht verlassen.

Der Versuch über die Straßen zu Verwandten nach Hirschberg zu kommen war, gelinde gesagt, eine Katastrophe.

Es herrschte eine strenge Kälte, man sprach von - 25°.

Tiere und Menschen froren und Erfrierungen waren gang und gebe. Auch bei mir, denn mir erfroren die Ohren und mit diesem Mangel lebe ich heute noch.

Flüsse und Bäche waren zugefroren.

Schneeschauer wechselten sich mit Graupelschauern ab. Die Straßen waren nicht nur spiegelglatt, sondern auch durch andere Treckfahrzeuge und die gen Westen zurück flutenden deutschen Truppen total verstopft.

Ich erinnere mich, in Hirschberg bei unseren Verwandten, ging auch alles drunter und drüber.

Auch sie machten sich zur Flucht bereit, aber wohin ?

Ich verstand das alles nicht, wie kann das Tohuwabohu auch ein 7 jähriger, der eigentlich im Luxus, ohne Sorgen und behütet aufgewachsen war, verstehen.

Ab und zu hörte ich meinen Vater sagen, wir gehen Richtung Böhmen oder so ähnlich.

Irgendwann ging es weiter. Die Berge wurden immer höher.

Um unsere Lisa zu entlasten mussten alle, außer meiner 1½ jährigen Schwester, zu Fuß laufen. Ich erinnere mich, dass viele Fuhrwerke abgerutscht und zurück gelassen im Straßengraben lagen.

Der Treck ging unaufhaltsam weiter. Übernachtet wurde in Schulen, Turnhallen oder Ställen bei Bauern. Als Bettstatt dienten uns meistens Stroh und manchmal aber auch der nackte Fußboden. Prinzessinnen auf der Erbse waren nicht gefragt.

Eines schönen Tages lag das Gebirge hinter uns.

Ja und dann kam wieder einmal einer jener Tage der uns zeigte, vae victis.

Unsere Lisa war den Strapazen der Überquerung des Riesengebirges nicht mehr gewachsen. Eines Morgens, vor der Weiterfahrt des Tecks, wollte Lisa einfach nicht mehr aufstehen.

Das treue Pferd musste erschossen werden.

 

Vater organisierte einen Bollerwagen. Dieser und der Kinderwagen meiner Schwester waren ab sofort unsere Transportmittel.

Der nunmehr mehr als beengte Platz für die Mitnahme von Gepäck und das Chaos der einzelnen Geschehnisse, z. B. der Kampf ums tägliche Überleben, der Hunger, die körperliche und geistige Erschöpfung und die Angst, von den Sowjettruppen eingeholt zu werden führte dazu, dass viele Dinge einfach verloren gingen. So vermissten meine Eltern irgendwann einmal Ausweise, persönliche Papiere, Urkunden, Schmuck und andere persönliche Gegenstände. Aber der Verlust bzw. Abhandenkommen zeigte sich später als ein Glücksfall. Die Erklärung dazu in Bälde.

Jede Suche blieb erfolglos, außerdem mussten wir weiter.

Bis 1988 hatte ich keine Geburtsurkunde, ich existierte nur als „Eidesstattliche Erklärung“.

So etwa Ende Februar, Anfang März 1945 landeten wir auf einem Bauernhof in der Nähe von Jitschin, einer Kleinstadt im Nordosten der Tschechei.

Der Bauer war menschlich, gab uns in einem Stall Unterkunft, beschützte uns, gab uns Verpflegung.

Er befahl uns aber am Tage nicht ins Freie zu gehen. Mit Recht, wie wir gleich sehen werden.

Im Mai war der Krieg zu Ende. Es begann vae victis. Die Deutschen bekamen den Hass der Tschechen zu spüren. Auf alles was Deutsch war begann eine „Treibhausjagd“.

Eines Tages tauchten im Hof bewaffnete Männer auf. Sie gingen jedoch bald wieder.

Dann war Vater plötzlich nicht mehr da. Später erfuhr ich, dass unser Bauer ihn gewarnt hat, dass er als Deutscher gesucht wird.

Was aus ihm wurde, die Erklärung folgt bald.

Bei einer erneuten Kontrolle des Bauernhofes durch Bewaffnete fand man uns.

Mutter gab sich wieder als Polin aus und ich sprach schon ein wenig tschechisch; und wenn meine Schwester anfangen wollte zu „reden“, wurde sie von Mutter mit Zuckerstückchen „ruhig gestellt“.

Zwar wurde unser Gepäck durchsucht, aber da ja unsere Papiere während der Flucht verschwunden waren, ich erwähnte es ja schon, fanden sie nichts.

Dann mussten wir den Bauernhof verlassen.

Wie ich schon erzählte, gab sich ja Mutter als Polin aus. Daher ging es uns relativ gut.

Wir durften mit einem Zug, in einem Viehwaggon Richtung „Polen“ fahren.

In der Nähe von Glatz verließen wir jedoch heimlich den Zug, wir wollten ja nicht nach Polen, denn dort wäre ja unser Schwindel aufgeflogen, wir wollten ja nach Oppeln ( Döbern ).

Auf „Schusters Rappen“, wie die Tramps, meist obdachlos, der polnischen und sowjetischen Soldateska schutzlos ausgeliefert ging es über unbekannte Straßen gen Oppeln.

Kinderwagen 50 m vor, Franz blieb beim Gepäck als Wache, Mutter kam zurück und holte unser Besitztum, das dann 50 m vor den Kinderwagen, Franz als Wache zum Gepäck u. s. w., u. s. w.

Einmal, es muss hinter Glatz gewesen sein, fanden wir in Fabrikhallen, mit anderen zurück flutenden Flüchtlingen, Unterschlupf.

Kinder weinten, Kranke stöhnten, Erschöpfte wimmerten und in den Hallen stank es. Es war schrecklich.

Es regnete, Gott sei Dank. Plötzlich fielen Schüsse und Geschosse flogen uns um die Ohren. Da es aber regnete, waren die Schützen zu bequem zu uns zu kommen, wir blieben unbelästigt. Noch.

Der folgende Tag gehört mit zu den schrecklichsten Dingen, die ein sieben jähriges Kind erleben musste. Die besoffene Soldateska, ich weiß nicht mehr ob es Polen, Tschechen oder Sowjetsoldaten waren, warf sich Babys zu, die die Gegenüber mit aufgepflanztem Bajonett auffingen.

Das Gelache der Mörder, das Geschrei der Mütter, das Gebrülle der noch nicht toten Babys ist heute noch in meinen Ohren, vae victis.

Wir waren wochenlang in Richtung der alten Heimat unterwegs, bis wir Juni / Juli 1945 in Döbern ankamen, wo auch schon Polen und auch noch die sowjetischen Soldaten hausten.

Man sah keine Frauen auf den Straßen; und wenn meine Mutter einmal aus dem Haus ging, trug sie zerrissene Kleider, ging gebückt und hatte ihr Gesicht mit Asche beschmiert. Einmal tauchte ein besoffener Soldat im Haus der Großeltern auf. Er schrie immer wieder in gebrochenem Deutsch: „Wo  Frau, dawai, gebt mir Frau…“. Meine Mutter hatte sich im Keller versteckt, dort suchte er nicht und meine Großmutter hatte meine kleine Schwester auf dem Schoß, das besänftigte ihn, er ging torkelnd aus dem Haus. Wie konnte das ein kleiner Junge verstehen, warum das so war.

Jetzt zu meinem Vater.

Ich erzählte ja schon, dass er uns auf dem Bauernhof plötzlich und unbemerkt verließ.

Im Juli 1945 tauchte er dann plötzlich in Döbern auf.

Humpelnd, abgemagert, bei Nacht.

Er war angeschossen, hatte eine Kugel im Bein. Eine tschechische, wie er sagte. Die Kugel nahm er 1986 mit ins Grab.

Da ja der Ort von Polen und Sowjetsoldaten besetzt war, war seine Festnahme nur eine Frage der Zeit. Denn total unbemerkt konnte er ja nicht lange bleiben. Also mussten wir verschwinden.

Dazu kam, dass für uns alle meist „Schmalhans“ Küchenmeister war.

Meine Eltern entschlossen sich, die Flucht Richtung Westen fortzusetzen.

Es verschlug uns nach Wittenberg. Dort machte Vater eine Tauschzentrale auf.

Aber auch hier war das Leben kein Zuckerschlecken. Vor allem fehlte es in den Wintermonaten an Heizmaterial.

Also musste, da es nichts zum Heizen gab, organisiert werden.

Eine günstige Stelle, dort fuhren die Kohlenzüge oft sehr langsam, war eine Stelle in der Nähe der Luthereiche.

Die Stelle hatte nur den Nachteil, das dass auch die sowjetischen Begleitsoldaten wussten was zur Folge hatte, dass uns jugendlichen „Organisierern“ öfters Gewehrgeschosse um die Ohren flogen.

Mutter fuhr ab und zu, „schwarz“ nach Cuxhaven und brachte Fisch mit, der gegen andere Tauschgegenstände getauscht wurde.

Wir wohnten in der Heupnerstrasse. Das Haus hatte einen großen Keller. Dort brannte Vater „schwarz“ Wodka.

Der Stadtkommandant von Wittenberg war häufig „Trinkgast“ bei uns. Es machte ihm Spaß, wenn er besoffen war, auch mich mit Wodka zu „besegnen“.

Eines Tages wurde Vater von Sowjetsoldaten verhaftet und in das Gefängnis von Coswig gesteckt. Er erzählte uns, das dass Gefängnis in einem Schloss war.

Die Anklage des sowjetischen Stadtkommandanten besagte, dass er höhere sowjetische Offiziere, beim Wodkatausch betrogen haben soll.

Was sogar stimmte, wie er später zugab.

Als er einmal kurz seine Familie, also uns, in Wittenberg besuchen durfte,

verließen wir bei Nacht und Nebel, nur mit dem Nötigsten versehen, heimlich und so schnell als nur möglich, Wittenberg.

Im Sommer 1947 gingen wir bei Helmstedt und auch viele andere, die aus der sowjetisch besetzten Zone weg wollten, nachts über die Grenze in die englische Zone.

Nun, scheinbar waren wir beim Grenzübertritt im Wald zu laut, denn wieder einmal wurden wir beschossen.

Irgendwann im Juli 1947 fanden wir in Arensch / Cuxhaven Unterkunft in einer alten Wehrmachtsbaracke.

Vater wurde Landarbeiter und Mutter fand Arbeit in einer Fischfabrik in Cuxhaven, für -.25 Pfennig in der Stunde.

Seeadler hieß das Werk.

Es besteht nicht mehr.

Aber unsere Flucht, die am 19. 01. 1945 begann, war immer noch nicht zu Ende.

Mitte 1950 zogen wir nach Neustadt / Weinstraße um.

Erst jetzt fand die Flucht und die Vertreibung ihr Ende.

Neustadt wurde zu unserer zweiten Heimat.

 

 

Stand: 05 / 13